Ohne Industrie wären wir noch in der Steinzeit

Die Industrie, wie wir sie heute kennen, war nicht immer so vorhanden. Vielmehr gab es vornehmlich Selbstversorger und Handwerker beziehungsweise Landwirte und Dienstleister, die die wesentliche Produktion in den Ländern vornahmen. Die Geschichte der Industrialisierung nahm viele Jahre mit ein, was nicht bedeuten soll, dass sie zur heutigen Zeit bereits abgeschlossen ist – auch, wenn zum Beispiel in Deutschland eine sehr komfortable Situation mit globalen Wirtschaftsbeziehungen besteht. Die gesamte Industrie wird durch Veränderungen in den Arbeitsabläufen, aber auch neue Produkte und Dienstleistungen immer weiter verändert und steht nicht still. Die Kinderschuhe der heutigen Industrie stehen in England; von hier aus erfolgte eine Verbreitung in nahezu alle Länder der Erde.

Grundvoraussetzungen für das Entstehen von Industrie

Wichtigste Bedingung für das Entstehen von Industrie ist eine florierende Infrastruktur. England als Insel-Staat mit bequemen Wasserwegen im Binnenland und auf dem Meer (neben der Kolonialisierung, also Wirtschaftsbeziehungen in der ganzen Welt) konnte hier also schnell eine Vorreiterstellung einnehmen. Im Commonwealth wurde beispielsweise von James Watt die Dampfmaschine entwickelt – ein wichtiges Ereignis in Sachen Maschinenproduktion, aber auch Ausbau der Infrastruktur – es gab von nun an die Eisenbahn, mit der Güter transportiert werden konnten. Hinzu kommen aber auch Bodenschätze beziehungsweise andere Ressourcen, zu denen beispielsweise auch das Wissen gehört. In einem Land ohne einen gewissen Bildungsstand wird es kaum industrielle Fortschritte geben, da die Facharbeiter fehlen, die erforderlichen Forschungen und Neuentwicklungen nicht „auf Lager“ sind. Eine Produktionsstätte, etwa für Hot Tubs, kann nicht einfach aus dem Boden gestampft werden. Heute sind es Menschen, die Maschinen bedienen können, sich mit dem Computer auskennen und sonstige Facharbeiter, die für diesen Industriestandort erforderlich sind. Aber auch schon in den frühen Jahren der intensiveren Produktion durfte es an Facharbeitern nicht fehlen.

Die Sektoren der Industrialisierung

Industrie als solches lässt sich heute in insgesamt fünf Bereiche unterteilen, von denen die beiden letzten jedoch erst neueren Datums sind. Auf eine These von Jean Fourastié gehen die ersten beiden Sektoren zurück:

1. Der primäre Sektor:

Zum primären Sektor in der Industrie gehört alles, was zur Rohstoffgewinnung zählt. Die Förderung von Kohle, Öl, Metallen und Edelmetallen spielt eine Rolle, aber auch die Gewinnung von Lebensmitteln in der Landwirtschaft, die Viehzucht und so weiter. So wird eine Grillparty über Umwege nur durch den primären Sektor überhaupt möglich, auch wenn der im Folgenden beschriebene sekundäre Sektor ebenfalls eine Rolle spielt. Für die Produktion von Grills muss Eisenerz gefördert werden, das zu Edelstahl verarbeitet wird. Aus der Viehzucht stammen die Grillwürste und Steaks – und aus dem Ackerbau alle Lebensmittel, die im Sekundärsektor zu Beilagen verarbeitet und für Convenience-Produkte verwendet werden.

2. Der sekundäre Sektor

Im sekundären Sektor wird verarbeitet. Für die Verarbeitung ist bereits die Logistik von großer Wichtigkeit – ohne Rohstoffe an einem zentralen Ort kann eine Produktion nicht aufgenommen werden. Für die Herstellung von Betten beziehungsweise Wasserbetten bedeutet dies zum Beispiel den Einkauf von Vinyl, Holz, Metall und sonstigen Rohstoffen, zum Teil auch schon bearbeitet. Der sekundäre Sektor lebt also vom primären, aber auch von Firmen, die Bauteile liefern, also wie sie selbst dem sekundären Sektor angehören.

3. Der tertiäre Sektor

Der sogenannte tertiäre Sektor in der Industrie betrifft die Dienstleistung in jeglicher Form. Der Wirtschaftsermittler, der gegen Industriespionage und andere Delikte der Wirtschaftskriminalität vorgeht, gehört diesem Sektor an, im Gegensatz zu seinen Auftraggebern, die auch aus den ersten beiden Abteilungen beziehungsweise einer hier angehörigen Branche stammen können. Die Dienstleistungen sind vor allem in deutschen Landen, wie vor allem im Ruhrgebiet, einem großen Wachstum unterlegen: Hier verschwand durch Schließung der Zechen zur Kohleförderung ein großer Teil des primären Sektors, beinahe zeitgleich begann der Dienstleistungssektor zu wachsen, um in den betroffenen Regionen die wirtschaftliche Stabilität wieder einigermaßen herstellen zu können.

Dienstleistungen gibt es auf dem freien Markt, vom Pizzaboten bis zum Friseur – aber auch im Internet. Portale, auf denen kostenlose Wohnungsinserate aufgegeben werden, gehören ebenso zum (eben dann modernen) tertiären Sektor, wie vergleichbare Seiten für Online Auktionen etc.

4. Der quartäre Sektor

Der „vierte“ also quartäre Sektor betrifft voll und ganz das moderne Leben. Er hat mit der Freizeitwirtschaft zu tun und kümmert sich um die Produktion von Bekleidung, ebenso, wie Sportgeräte und alles, was mit der persönlichen Freizeit der Menschen zu tun hat. Dieser Bereich ließe sich auch einfach in den sekundären Sektor schieben, würde die Nachfrage nach Freizeitprodukten nicht so steigen.

Es gibt Firmen, die diesem quartären Sektor nur teilweise angehören. Wie schon die besagte Kleidung stellen Textilproduzenten oft auch Bettwäsche her; gleichfalls ist eine Schuhmarke beispielsweise sowohl im alltäglichen Bereich tätig, wie es auch Sportschuhe aus diesem Hause zu kaufen gibt – oder umgekehrt in seiner Wertigkeit. Unter dem Sammelbegriff der Schuhe sind also mehrere Zugehörigkeiten zu den diversen Sektoren unter einem Dach möglich.

5. Der quintäre Sektor

Der letzte große Sektor der Industrie ist ebenfalls erst ein Zeichen der letzten Jahrzehnte. Er umfasst alles, was mit der Abfallwirtschaft zu tun hat. Hierzu gehört nicht nur die Entsorgung aller Produkte aus den ersten vier Kategorien, sondern auch eine Art der Rohstoffgewinnung durch Recycling, wodurch wiederum Sektor zwei bis vier zum Teil versorgt werden. Müll, von den Konsumenten und aus der Industrie selbst, wird getrennt und dann wahlweise vernichtet, gelagert oder sortiert und als Ressource zur Verfügung gestellt. Aus alten Autos wird beispielsweise nicht nur Schrott, die Geschichte geht weiter vom Verkauf gebrauchter Teile bis zur Alteisenaufbereitung, aus der wieder Autoteile produziert werden.

Die Eisengewinnung: Ein Grundpfeiler der Industrie

Allein beim Blick durch eine handelsübliche Küche wird man feststellen, wie wichtig heute die Stahl- und Eisenproduktion immer noch ist – die Rührstäbe vom Mixer, die Ofenplatte, die Roste im Backofen und viele Abzugshauben: Das sind nur wenige Beispiele. Stahl und Eisen wird für Werkzeuge gebraucht, für Bauteile in allen möglichen Maschinen und Fertigungsstücken und letztendlich werden ganze Geräte daraus hergestellt. Hoch- und Tiefbau sind ebenfalls zwei Branchen, die ohne Stahl und Eisen, zum Beispiel für Häuser und Brücken, niemals auskommen könnte – ganz zu schweigen von der Automobilbranche.

Die Anfänge der Eisengewinnung liegen vornehmlich in kriegerischen Zwecken – Speerspitzen und Kanonenkugeln waren die ersten Dinge, die aus Eisen hergestellt wurden. Eine Jahrtausende lange Geschichte geht der heutigen Eisenherstellung voraus. Es mussten Öfen erfunden werden, in denen so hohe Temperaturen erreicht werden konnten, dass Gusseisen und später Stahl überhaupt hergestellt werden konnten. Kluge Köpfe entwickelten Legierungen, weiteten die Verfahren auch auf andere Metalle aus – heute gibt es Trauring Manufakturen, Firmen, in denen Bleche zu sogenannten Coils aufgewickelt werden oder als Rohbleche zur Weiterverarbeitung angeboten werden. Gold, Silber und viele andere Metalle blicken auf eine sehr lange Geschichte zurück – immer wurde jedes Herstellungsverfahren weiter perfektioniert, die Maschinen sind heute computergesteuert. Der Schmied, der das Eisen erhitzte und mit Hammer und Amboss formte, ist längst ein ausgestorbener Beruf – bis auf einige Kunstschmiede, die noch nach alten Methoden arbeiten. Längst wurde dieser Berufszweig durch Maschinen ersetzt.

Vorteile der Industrie beziehungsweise Massenproduktion

Handwerk mit dem bekannten goldenen Boden hat einen Nachteil: Es kann nur in gewissen begrenzten Rahmen produzieren. Die serielle Produktion deckte von ihrer Einführung an den stetig wachsenden Bedarf an allen möglichen Produkten viel schneller ab, als es der Handwerker jemals zu leisten im Stande gewesen wäre. Leider sorgte dies für aussterbende Berufe und auch eine Verlagerung in den Beschäftigungszahlen. Jede Maschine, die erfunden wurde, ersetzte menschliche Arbeitskraft – brachte zugleich aber den Vorteil einer billigeren, schnelleren und damit wirtschaftlich effizienteren Produktion mit sich. Bei günstiger Standortwahl, die, wie bereits erwähnt, auch logistische Vorteile mit einbezieht, wird von beliebigen Produkten eine Stückzahl erreicht, die in einem Handwerksbetrieb als reine Utopie anzusehen wären.

Die Massenproduktion mit der Hilfe von Maschinen hat aber für die Arbeiter und Verantwortlichen in Fabriken auch Vorteile in Sachen Sicherheit. Die Maschine kann repariert werden, hat eine kurze Ausfalldauer und trägt kaum „bleibende Schäden“ davon; wenn doch, ist es eben nur eine Maschine, die ausgetauscht werden muss. Manche Versicherung wäre wohl kaum noch zu bezahlen, würden alle Arbeitskräfte mit ihrer menschlichen Kraft und dem dabei bestehenden Sicherheitsrisiko für Gesundheit und Leben beschäftigt.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Präzision, mit der Maschinen eine serielle Produktion erledigen können. Da wird dank Lasertechnik und Computer so genau gearbeitet, wie es einem Menschen nur unter höchster Konzentration – wenn überhaupt – möglich wäre. Eine schier immense Fehlerquote wäre die Folge, die letztendlich die Wirtschaftlichkeit mancher Herstellung in Frage stellen würde. Wo der Computer und die von ihm gesteuerte Maschine ohne Rücksicht auf Krankheiten, schlechte Verfassung oder andere Faktoren im 24/7 Prinzip konstant zuverlässige Arbeit leistet, ist die Effizienz einfach am größten.

Globalisierung: Wichtig auch für die Industrie

Spätestens, seit die Volksrepublik China die Verbindung mit westlichen Ländern zulässt, ist auch die Globalisierung nicht mehr aufzuhalten. Durch sie gleichen sich auch in der Industrie zum Teil Schwächen der einen Länder und natürlich auch deren Stärken aus. Es werden Rohstoffe in Ländern gefördert, wo es sie gibt, werden Verarbeitung und Produktion aber in den Nationen vorgenommen, wo das Know How vorhanden ist. Ein Land bietet durch seine soziale Gestaltung billigen Arbeitslohn, ein anderes entwickelt Technologien und gemeinsam wird aus all diesen einzelnen Komponenten eine gelungene Produktion, von der die Konsumenten, die einzelnen Betriebe und damit auch deren Länder wirtschaftlich profitieren. Die Globalisierung bringt hier sowohl eine gesunde Konkurrenz, wie auch eine (meist) optimale Zusammenarbeit mit sich.